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Aus der Heilbronner Stimme:

"Auch Jesus schätzte das Feiern

Heilbronn  18 Karnevalsgesellschaften starten mit Narrengottesdienst in heiße Phase der Kampagne −Kollekte von 1111,11 Euro für Flüchtlinge

Weil Pfarrer Markus Pfeiffer angeblich gar nicht reimen kann, übernimmt er in diesem Jahr gerade deswegen die närrische Begrüßung in St. Augustinus.Foto: Pfäffle

Auf und nieder, immer wieder. Das Lied ist ein echter Faschingsklassiker, will aber nicht so recht in einen Gottesdienst passen, mag er auch noch so närrisch sein. Der evangelische Pfarrer Steven Häusinger lässt die Gemeinde am Sonntagnachmittag in St. Augustinus mit "Halleluja, preiset den Herrn" zwar etwas anderes singen, aber auf und nieder geht es für die Narren trotzdem. Die gereimte Predigt beim Narrengottesdienst der Unterländer Karnevalsvereine wird zur echten Mitmachaktion.

Motto Unter dem Motto "Singen − Tanzen − Lachen, wird uns j/Jünger machen" waren die Sulmtalnarren aus Ellhofen in diesem Jahr für die Organisation zuständig. Sie transportieren ihr Kampagnenmotto Neue Deutsche Welle in das katholische Gotteshaus. Zu Nenas "99 Luftballons", gespielt vom Musikverein Ellhofen, ziehen die Akteure mit ihrer Symbolfigur Till vorneweg, und auch die beiden Pfarrer Häusinger und Hausherr Markus Pfeiffer halten Ballons in ihren Händen. Die blauen und weißen Ballons schweben gen Kirchendach und verfangen sich in den Streben. "Wir waren von der Idee der Pfarrer, die Ballons mit Gas zu füllen und aufsteigen zu lassen, begeistert", freut sich Jürgen Wolf, Schatzmeister der Sulmtalnarren. "Das hat uns überrascht und gibt ein tolles Bild." Pfeiffer sieht das ganz entspannt. "Wir setzen einfach darauf, dass die Ballons von alleine wieder runter kommen."

Im Altarraum sitzen Symbolfiguren und gekrönte Häupter von 18 Karnevalsgesellschaften, das Gotteshaus ist nicht nur von Narren voll belegt. Pfeiffer gibt zu, dass er nicht reimen kann, deshalb übernehme der Kollege die Predigt: "Ihr seht ganz prächtig aus hier in dieser Gotteskirche", begrüßt er schelmisch.

Zum zweiten Mal hält Häusinger eine gereimte Predigt und dieses Mal fiel es ihm nicht ganz so leicht. "Es war einfach so viel zu tun, so dass ich erst nach Weihnachten anfangen konnte", gibt er zu. Rund ums Singen, Tanzen und Lachen geht es da, wie gut das tut und Freude bringt, auch in dunklen Tagen. Jesus selbst gebe ein Beispiel: "Er schätzte Feste, fröhliches Gemeinschaftsgefühl. Wenn er wildfremde Menschen am Tisch zusammenführte, gemeinsam aß, trank, miteinander dem Frieden nachspürte."

Hilfe Fremde kommen seit einem Jahr viele in die Region. Dr. Thomas Gehrig bietet seit September mit fünf Kollegen regelmäßig ehrenamtliche Sprechstunden im Flüchtlingscamp in Neuenstadt an. Gespendete Medikamente, einfachste Hilfsmittel, damit helfen die Ärzte bei kleinen und großen Krankheiten. "Ich denke, dass sie durch unsere Hilfe mehr das Gefühl kriegen, angekommen zu sein", hofft Gehrig. Seine Initiative erhält die Kollekte des Narrengottesdienstes, die 984,91 Euro haben die Sulmtalnarren auf 1111,11 Euro aufgerundet."